Zunftobe Grenzach


Das neue Gewand - Eine kleine Geschichte aus der Probe

"Eigentlich laufen die Vorbereitungen für die Zunftabende so, wie ich mir das vorgestellt habe" erklärt Peter "Pius" Jehle während eines Pressetermins. Prinzipiell stimmt das auch, doch es wurde bekannt, dass auch das Zunftobeensemble von der Schweinegrippe verschont, aber von der Wirtschaftskrise voll getroffen wurde. "Schon lange waren wir nicht mehr in der Wirtschaft" bestätigen die Spieler übereinstimmend. "Es muss an allen Ecken und Enden gespart werden!".

Sparpotential wurde hauptsächlich bei den vielen Proben ausgemacht. Als Sofortmassnahme ordnete Kämmerer "Chetti" an, dass die Verpflegung von opulenten 3-Gängemenüs umgestellt wird auf Streuselkuchen mit Wasser. "Zum Nachtisch sind - bei gutem Probeverlauf - schon mal ein paar Pralinen der vergangenen Festtage drin".

 

Trotz enormen Einsparungen, die alten Pralinen konnten wirklich sehr günstig bezogen werden, stiess die Massnahme bei den Zunftspielern auf sehr wenig Gegenliebe und es bildete sich schnell eine kleine "Revoluzzergruppe", die eine Revolte anzetteln wollten.

 

Da staunte Regisseur Pius nicht schlecht. Das hat es in der 50-jährigen Geschichte der Zunftabend noch nicht gegeben. "Meuterei auf der Bounty" im Haus der Begegnung! Und das wegen ein paar Weihnachtspralinen!

 

Doch Pius wäre nicht Zunftabendregisseur, wenn er nicht auch solchen Situationen gewachsen wäre. Ein ordentliches Machtwort und der ein oder andere "Satz heisse Ohren" reichten aus, um den Aufstand im Keim zu ersticken. Zur Abschreckung für alle anderen Zunftspieler mussten die Übeltäter eine Nummer aussetzen und auf der Bühne unter Aufsicht von Chetti Strafnachsitzen!

 

Weiteres Einsparpotential suchte man bei den Kostümen, die im Finanzhaushalt des Zunftabends den Löwenanteil ausmachen. Nachdem dieses Problem erkannt war, wurde unmittelbar die Arbeitsgruppe "Lumpensack" initiiert.

 

Die Arbeitsgruppe hatte die Aufgabe, Wege und Möglichkeiten zu suchen, um die Aufwendungen für die Kostüme auf 10% zu reduzieren. Es war von vorne herein klar, dass "Lumpensack" vor Gwandmeister Fätze geheimgehalten werden musste, schliesslich ist dieser mit seinen hohen Ansprüchen an Ausstattung und Ausshen der Spieler für die Kosten verantwortlich.

"Lumpensack" operierte sehr erfolgreich. Die Prüfung der billigsten Angebote in der Badischen Zeitung (Wochenendausgabe) führte noch in der besagten Probe dazu, dass "20 Mark-Bernd" losgeschickt wurde, um für den Mottoauftritt von Fabi eine festliche Oberbekleidung zu besorgen.

 

Nach unglaublichen 3 Stunden (für einen Doktor ist das extrem schnell), war "20 Mark-Bernd" wieder zurück. Überglücklich teilte er mit, dass das gewünschte Stück schon für 1 Euro 98 zu haben war. Da Geheimhaltungsstufe 1 gelte, wurde das Corpus delicti ganz unscheinbar verpackt.

 

Gwandmeister Fätz ahnte von all dem nichts, denn er befand sich noch auf Arbeit (Mittagsschicht in Leitender Position), wurde aber in den nächsten Minuten in der Probe erwartet.

Weil die Gruppe "Lumpensack" ihren ersten Erfolg feiern wollte, drängte man Fbi dazu, das neue Oberteil gleich anzuprobieren. Just bei der Anprobe kam Gwandmeister Fätze gut gelaunt um die Ecke. Die gute Laune verflog sofort, als er erkannte, was die Uhr geschlagen hatte. Seine Augenbrauen schoben sich langsam aber bestimmt zur Nasenwurzel zusammen, so dass sogar die Ohren Mühe hatten, an ihrem angestammten Platz zu bleiben.

 

Wie im richtigen Leben traf es wieder einmal einen Unschuldigen! Dass er vom Gwandmeister die volle Breitseite abbekommen hat, braucht wohl nicht extra erwähnt werden. Es dauerte auf jeden Fall den ganzen Nachmittag, bis er sich vom ersten Schock erholt hatte.

 

Gut Lachen hatte die Gruppe "Lumpensack", die heimlich und ruck zuck wieder aufgelöst wurde.

 

Da die Probenarbeit doch sehr unter den beiden gescheiterten Anläufen zur Kosteneinsparung litt, meldete sich der Ensemble-Älteste "Henry" zu Wort und mahnte an, doch einfach so weiter zu machen, wie man das von den bisherigen 50 Jahren gewohnt ist. "Alles andere ist doch sowieso Fuffu"

 

Und so erklärt Peter "Pius" Jehle abschliessend: "Eigentlich laufen die Vorbereitungen für die Zunftabende so, wie ich mir das vorgestellt habe".

(FT)